- Anleitung zur Nutzung der Materialien
- Handreichung zu Max Brückner und seinen Vielecken
- Handreichungen zu zeichnerischen und malerischen Grundlagen
- Mehrere Übungsblätter zu Tonwerten und Zeichentechniken
- Zwei Tonwertskalen zum Ausdrucken
- 10 unterschiedliche Kopiervorlagen (DIN A3) mit den Hauptaufgaben zur grafischen und malerischen Ausgestaltung eines Vielecks
- Bewertungsbögen (Grafik & Malerei) mit Kriterien zur Selbsteinschätzung und Benotung
- Präsentation zur Durchführung der Unterrichtseinheit (im PPTX- & PDF-Format)
- KLASSENSTUFE
- Klasse 8
Klasse 9 & 10
Oberstufe
- ARBEITSBEREICH
- Grafik
Malerei/Farbe
- SCHWIERIGKEIT
- ⬣ ⬣ ⎔
- ZEITAUFWAND
- ⬣ ⬣ ⎔
Benötigte Materialien
Grafische Umsetzung
Malerische Umsetzung
Auf einen Blick
Ausgehend von den faszinierenden Vielecken und Vielflachen des Mathematikers Max Brückner eröffnet diese Basiseinheit einen Zugang zu den Grundlagen von Zeichnung und Malerei. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie durch den gezielten Einsatz von Tonwerten die Illusion von Räumlichkeit entsteht und wie sich Plastizität sowohl grafisch als auch malerisch erzeugen lässt.
Das hier vorgestellte Vorhaben umfasst zwei Unterrichtseinheiten, die unabhängig voneinander umgesetzt oder aufeinander aufbauend durchgeführt werden können.
In der ersten Einheit lernen die Schülerinnen und Schüler, mit grafischen Mitteln und unterschiedlichen Zeichengeräten die Illusion von Räumlichkeit zu erzeugen.
Diese Erfahrung wird in der zweiten Einheit malerisch weitergeführt: Durch das Mischen und Modulieren von Farbmitteln erkunden die Schülerinnen und Schüler, wie sich Licht und Schatten auch in der Farbe differenziert darstellen lassen.
In unserem „Rundum-Sorglos-Materialpaket“ zu diesen Unterrichtseinheiten findest du alle hier vorgestellten Materialien – von der Präsentation über Kopiervorlagen bis hin zu Tonwertskalen, Aufgabenblättern und Selbsteinschätzungsbögen. Natürlich kannst du dich aber auch einfach von den Ideen und Aufgabenstellungen inspirieren lassen.
Step by Step
Zu Beginn der Unterrichtseinheit stehen die beeindruckenden Vielecke und Vielflache von Max Brückner (1860–1934) im Mittelpunkt. Der deutsche Mathematiker erforschte systematisch die geometrischen Strukturen von Körpern und Flächen und entwickelte Modelle, die komplexe räumliche Zusammenhänge sichtbar machen. Sein bekanntestes Werk „Vielecke und Vielflache“ erschien 1900. Hierin untersucht Brückner, welche Gesetzmäßigkeiten und Schönheitsprinzipien in der Geometrie verborgen liegen – etwa Symmetrie, Ordnung und Gleichgewicht. Brückners Arbeiten verbinden mathematische Präzision mit der Erforschung von Licht, Schatten und daraus resultierender räumlicher Wirkung, wodurch sie auch für die ästhetische Auseinandersetzung im Kunstunterricht besonders geeignet sind.
Die Schülerinnen und Schüler begegnen Brückners Modellen zunächst über die kopierte Handreichung, die sowohl biografische Informationen als auch Abbildungen seiner Vielecke enthält. Sie lernen auf diese Weise nicht nur den Forscher kennen, sondern verstehen auch die zentralen Fragen, die ihn leiteten.
Diese erste Phase dient dem präzisen Sehen und der inhaltlichen Vorbereitung für die praktische Arbeit. Die Beschäftigung mit Brückners Modellen schärft das Auge für Licht, Schatten und Helligkeitsunterschiede, die später zeichnerisch und malerisch umgesetzt werden. Max Brückner fungiert damit als Ausgangspunkt für die anschließende Arbeit: Er liefert die visuelle und inhaltliche Grundlage, auf der Schülerinnen und Schüler eigene grafische und malerische Experimente entwickeln können.
Nach der ersten Begegnung mit den Arbeiten Max Brückners starten die Schülerinnen und Schüler in eine kooperative Gruppenphase. In dieser Phase erarbeiten sie gemeinsam die zentralen Grundlagen des grafischen Gestaltens: die Funktionen und Unterschiede von Zeichengeräten, die Bedeutung von Tonwerten als gestalterisches Mittel, die Technik des Schummerns, die Entstehung von Plastizität auf dem Papier sowie die Rolle von Licht und Schatten für die Wahrnehmung von Form.
Die theoretisch gewonnenen Kenntnisse setzen die Schülerinnen und Schüler unmittelbar praktisch um: Auf einem Übungsblatt stellen sie zunächst das gesamte Tonwertspektrum mit Bleistiften differenziert dar. Das bewusste Ausschöpfen der Hell- und Dunkelstufen ist dabei zentral, da nur so die Wirkung von Licht, Schatten und Volumen zuverlässig erfahrbar wird. Durch die schrittweise Variation von Druck, Bleistifthärte und Zeichentechnik lernen die Schüler*innen, Tonwerte präzise zu gestalten und gleichmäßige Flächen zu erzeugen. Diese Fähigkeiten bilden die Grundlage für die spätere realistischere Darstellung von Körpern.
Aufbauend auf diesen Übungen übertragen die Schülerinnen und Schüler diese Erkenntnisse auf ein Vieleck von Max Brückner. Im Vordergrund steht hier jedoch nicht die exakte lineare Abbildung, sondern die Umsetzung von Plastizität durch grafische Mittel: Durch gezieltes Schummern, differenzierte Tonwertabstufungen und die bewusste Beobachtung von Licht und Schatten erzeugen sie die Illusion von Räumlichkeit auf dem Papier. Das Übungsblatt unterstützt sie zusätzlich durch einen Selbsteinschätzungsbogen, der eine Reflexion des eigenen Arbeitsprozesses ermöglicht und die bewusste Wahrnehmung der erzielten Tonwertabstufungen fördert.
Nach der theoretischen und technischen Vorbereitung folgt nun der zentrale praktische Teil der Einheit. Die Schülerinnen und Schüler wenden ihr erworbenes Wissen in einer Hauptaufgabe an: der zeichnerischen Umsetzung eines Vielecks von Max Brückner. Zur Auswahl stehen zehn Modelle in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die auf kräftigem DIN-A3-Papier ausgedruckt vorliegen. Jedes Arbeitsblatt enthält neben einer Tonwertskala und einer Fotografie des Modells feine Linien, welche die Grundstruktur des jeweiligen Vielecks vorgeben. Dadurch können sich die Lernenden ganz auf die Darstellung von Licht, Schatten und räumlicher Wirkung konzentrieren.
Im Zentrum steht das Schummern als Zeichentechnik. Durch den variablen Einsatz unterschiedlicher Bleistifthärten, Druckstärken und Bewegungsrichtungen entstehen feine Abstufungen zwischen Hell und Dunkel. Diese Tonwertmodulation ist entscheidend, um die Illusion von Volumen und Räumlichkeit zu erzeugen. Das Augenmerk liegt voll und ganz auf der Wahrnehmung von Lichtführung, Flächentonwert und Materialwirkung. So erfahren die Schülerinnen und Schüler unmittelbar, wie stark sich die Bildwirkung allein durch differenzierte Tonwertgestaltung verändert.
Didaktisch eröffnet diese Konzentration auf Tonwerte einen bewussten Lernprozess: Das Auge wird geschult, kleinste Unterschiede in der Helligkeit wahrzunehmen; die Hand lernt, diese Beobachtungen kontrolliert und sensibel umzusetzen. Durch das wechselseitige Verhältnis von Beobachtung und Ausführung entsteht ein tieferes Verständnis dafür, wie aus Fläche scheinbarer Raum werden kann.
Für fortgeschrittene Lernende stehen im Materialpaket zusätzlich Tonwertskalen zum separaten Ausdrucken zur Verfügung. Die Abbildungen von Max Brückners Vielecken können nämlich selbstverständlich auch eigenständig und ganz ohne vorgezeichnete Linien auf ein leeres Blatt oder einen anderen Bildträger übertragen werden. Dabei gilt es, die Proportionen des Körpers präzise zu erfassen und die geometrische Konstruktion des Modells zu verstehen. Nur wenn die Grundstruktur, also die Beziehung der Flächen, Kanten und Winkel, sicher erkannt wird, kann in der anschließenden Tonwertgestaltung eine überzeugende räumliche Wirkung entstehen.
In unserem Fall (Jahrgangsstufen 8–10) wurde bewusst auf diese Übertragungsphase verzichtet, um den Fokus klar auf die wesentlichen Aspekte zu richten: das präzise Wahrnehmen von Licht und Schatten, die differenzierte Ausgestaltung von Tonwerten und die Erzeugung von Plastizität allein durch grafische Mittel.
Am Ende der Arbeit reflektieren die Schülerinnen und Schüler ihren Prozess anhand eines Selbsteinschätzungs- und Bewertungsbogens. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Gestaltungsprozess fördert nicht nur die Fähigkeit zur Selbstkritik, sondern stärkt auch das Verständnis für die bildnerischen Mittel, mit denen räumliche Wirkung auf dem Papier erzeugt werden kann.
Nach der Auseinandersetzung mit Tonwerten in der Zeichnung wenden sich die Schülerinnen und Schüler nun den Grundlagen der malerischen Gestaltung zu. In einer kooperativen Gruppenarbeitsphase erschließen sie sich mithilfe der kopierten Handreichung zentrale Aspekte der Materialkunde, Farbtheorie und Maltechnik. Sie lernen, wie Farbmittel aufgebaut sind, welche Funktionen Binder und Pigmente haben und welche Rolle Pinsel, Wasseranteil und Malgrund für die Wirkung von Farbe spielen. Dabei wird Farbe nicht als bloßer Stoff verstanden, sondern als visuelle Erscheinung, die erst im Zusammenspiel von Licht, Material und Wahrnehmung entsteht.
Diese erkenntnisorientierte Herangehensweise schärft das Bewusstsein für den Unterschied zwischen Farbmittel und Farbeindruck. Dieses zentrale Lernziel bildet die theoretische Basis für das folgende praktische Gestaltungsvorhaben.
Im Mittelpunkt steht das gezielte Mischen und Abstufen von Farbmitteln, um Tonwerte auch malerisch bewusst zu steuern. Die Schülerinnen und Schüler wählen einen reinbunten Farbton und hellen ihn schrittweise mit Weiß auf beziehungsweise dunkeln ihn vorsichtig mit Schwarz ab. Durch das exakte Beobachten der entstehenden Abstufungen erfahren sie unmittelbar, wie fein Nuancen wirken können und wie entscheidend diese für Lichtwirkung und Plastizität sind.
Eine erste Übung erfolgt auf einem schmalen Arbeitsblatt mit einer vorgegebenen monochromen Tonwertskala von Schwarz bis Weiß. Auf einer darunter angeordneten Skala übertragen die Lernenden die entsprechenden Tonwerte mit ihrem gewählten Farbton und stufen diesen malerisch von sehr dunkel bis sehr hell ab. So werden die Ergebnisse sichtbar, vergleichbar und können reflektiert werden.
Darüber hinaus ist es didaktisch sinnvoll, den experimentellen Charakter dieser Phase zu betonen:
Die Schülerinnen und Schüler dürfen und sollen über das reine Aufhellen und Abdunkeln hinaus experimentieren. Sie können etwa unterschiedliche reinbunte Farbmittel miteinander mischen, um wahrzunehmen, wie sich Leuchtkraft, Sättigung und Farbtemperatur verändern. Dabei entstehen nicht nur neue Farbtöne, sondern auch Einsichten in die Wirkung von „dumpfen“ oder „leuchtenden“ Mischungen, die später in der eigenen Bildgestaltung bewusst eingesetzt werden können.
Ein besonders empfehlenswerter Impuls für Lehrkräfte und Lernende ist die Auseinandersetzung mit den Arbeiten und Videos von Melanie Schimpf, die im Bereich der Farbdidaktik und praktischen Farbvermittlung herausragende Ansätze entwickelt hat. Ihre Experimente zum Mischen, Ordnen und Wahrnehmen von Farben verdeutlichen eindrucksvoll, wie lebendig und forschend der Umgang mit Farbe im Unterricht gestaltet werden kann. Ihre Beiträge, insbesondere die Videotutorials auf YouTube, bieten inspirierende Ergänzungen zu dieser Unterrichtsphase und regen zu eigenständigen farbpraktischen Untersuchungen an.
Die Lernenden können ergänzend Farbtonkarten anlegen, Farben nach Kriterien wie Helligkeit, Sättigung oder Wärme/Kälte sortieren und eigene Ordnungsprinzipien entwickeln. Auf diese Weise entsteht eine vertiefte Sensibilität für Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel. In der anschließenden malerischen Umsetzung der Brückner’schen Vielecke wird dies entscheidend sein.
Im Anschluss an die vorbereitenden Farbübungen übertragen die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen nun in eine eigenständige malerische Gestaltungsaufgabe. Wie zuvor wählen sie eines von zehn Vielecken von Max Brückner aus, das auf kräftiges Papier im DIN-A3-Format kopiert wurdet. Auch hier sind die feinen Umrisslinien der geometrischen Form bereits angelegt, sodass der Fokus ganz auf der malerischen Umsetzung von Licht und Schatten liegen kann.
Der Arbeitsauftrag lautet, das jeweilige Vieleck malerisch mit Acrylfarben zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler wählen einen reinbunten Farbton ihrer Wahl und verändern dessen Helligkeit ausschließlich durch das Mischen mit Weiß oder Schwarz, ohne den Farbton selbst zu verändern. Durch das sorgfältige Anlegen einer abgestuften Farbskala und die bewusste Variation von opaken und lasierenden Farbschichten entsteht eine feine Hell-Dunkel-Modulation, die dem Vieleck optische Tiefe und Plastizität verleiht.
Didaktisch liegt der Schwerpunkt auf dem bewussten Umgang mit Tonwerten innerhalb eines Farbtons. Indem die Lernenden Farbe nicht als dekoratives Mittel, sondern als Träger von Licht und Form begreifen, erfahren sie unmittelbar, wie malerische Mittel räumliche Wirkung erzeugen können. Das Aufhellen und Abdunkeln innerhalb eines Farbtons erfordert genaues Sehen, planvolles Mischen und eine kontrollierte Pinseltechnik. So wird Farbe nicht nur zum Ausdrucksmittel, sondern auch zum Werkzeug des Denkens und Wahrnehmens.
Das gleichmäßige, ruhige Anlegen der Flächen fördert Konzentration und motorische Präzision, während das differenzierte Beobachten der Vorlage die Sensibilität für subtile Helligkeitsunterschiede schärft. Das Schichten und Lasieren von Farbe erlaubt es zudem, Transparenz und Dichte bewusst zu steuern.
Wie schon im grafischen Teil kommt auch dieser Phase ein Selbsteinschätzungs- und Bewertungsbogen zum Einsatz, der ebenfalls in unserem „Rundum-Sorglos-Materialpaket“ enthalten ist. Er lädt die Schülerinnen und Schüler dazu ein, ihren Arbeitsprozess und die erzielte Raumwirkung kritisch zu reflektieren. Die abschließende Reflexion fördert nicht nur das Verständnis für Farbwirkung und Wahrnehmung, sondern stärkt auch die Fähigkeit, eigene gestalterische Entscheidungen zu begründen und den eigenen Arbeitsprozess zu reflektieren.
MATERIALIEN DOWNLOAD & PRINT
Wenn du dieses Unterrichtsvorhaben in deinem Kunstunterricht durchführen willst, kannst du dir gerne unser umfassendes Materialpaket herunterladen. So kannst du sofort loslegen.
Wir freuen uns sehr, wenn du dir mit dem Download eine Freude machen kannst und wenn du unsere Arbeit mit deiner Bestellung wertschätzt. Aber natürlich ist es auch völlig ok, wenn du dich einfach nur inspirieren lassen möchtest und wenn du die Materialien selbst gestaltest. Feel free!
Inhalte des Materialpakets:
Die Materialien darfst du dann selbstverständlich für deinen Unterricht verwenden. Wir freuen uns, wenn du unsere Beiträge oder unsere Produkte in deinen Sozialen Netzwerken namentlich erwähnst und bestenfalls lobst. Achte hierbei jedoch darauf, dass du in deinem Post auf unsere Homepage oder unser Profil auf Instagram oder Facebook verlinkst.
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Über den Autor
Simon
Simon ist Kunstlehrer an einer Realschule in Baden-Württemberg. In seinem Klassenzimmer bemüht er sich, seinen Schülern authentische und aussagekräftige Erfahrungen zu bieten, die Imagination, Kreativität und Zusammenarbeit fördern und die Kinder und Jugendliche dazu herausfordern, Fähigkeiten zur Problemlösung und zum kritischen Denken zu entwickeln. Er versucht seinen Schülern einen sicheren Ort zu bieten, an dem sie sich frei ausdrücken und durch persönliches Erproben wachsen können.














































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