- KLASSENSTUFE
- Klasse 7-8
Klasse 9-10
Oberstufe
- CONNECTION
- Papierschnitt Agenda 2030 Legetrick Animation
- SCHWIERIGKEIT
- ⬣ ⬣ ⎔
- ZEITAUFWAND
- ⬣ ⬣ ⬣
Benötigte Materialien
Hintergrund
Die Agenda 2030 ist ein globaler Aktionsplan der Vereinten Nationen, der darauf abzielt, Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und Wohlstand für alle zu fördern. In der Schweiz bedeutet dies, dass sich die Regierung, Unternehmen und die Gesellschaft gemeinsam dafür einsetzen, nachhaltige Entwicklung in verschiedenen Bereichen wie Umwelt, Wirtschaft und Soziales zu fördern.
Arbeitsauftrag & Ziel
Die Lernenden wählen eines der 17 Ziele aus und gestalten dazu ein animiertes Plakat in der Cut-Out Methode (analoger Legetrick). Dazu entwickeln sie einen passenden Slogan oder Titel für ihr Plakat und entwerfen dazu passende Motive. Dabei wird darauf geachtet, nicht mehr als drei Farben zu verwenden, die in einem deutlichen Kontrast zueinanderstehen. Das Plakat soll durch bewegte Elemente lebendig wirken, mit mehreren überlappenden Bewegungen. Ziel ist es, visuelle Botschaften zu kreieren, die informieren, zum Nachdenken anregen und Aufmerksamkeit erregen.
Auf einen Blick
In diesem Projekt wird ausgehend von einem der 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung ein Plakat gestaltet und im Anschluss als Legetrick animiert. Das Ziel der Unterrichtseinheit ist es, die Farbkontraste praktisch anzuwenden, anhand der Papercut-Methode das Reduzieren von komplexen Formen zu üben und allem voran ein eigenes Statement zu einem globalen und politischen Thema gestalterisch auszudrücken. Die Lernenden dürfen sich dabei innerhalb der 17 Zielen frei bewegen und sich auch für regionale oder lokale Themen einsetzen und so auch ihre Interessen einbringen.
Step by Step
In der ersten Doppelstunde des Projekts stand die Einführung in das Thema Plakatgestaltung im Mittelpunkt. Die Lernenden sollten wesentliche Merkmale eines Plakats kennenlernen, Kompositionsregeln theoretisch wiederholen und praktisch anwenden sowie sich mit der Agenda 2030 und ihren 17 Zielen vertraut machen. Zudem wurde der konkrete Projektverlauf samt Kriterien erläutert.
Zu Beginn erfolgte eine gemeinsame Diskussion im Plenum zur Frage: Was ist ein Plakat? Anhand der „100 besten Plakate“ wurden die zentralen Bestandteile eines Plakats analysiert: Überschrift, Bild oder Grafik, Textinformation bzw. Handlungsaufforderung sowie Kontaktinformationen. Dabei wurden verschiedene Plakate betrachtet, die sowohl auffällige als auch schlichte grafische Formen und Farbkontraste aufwiesen und klare, prägnante Botschaften transportierten. Das Design der Plakate sollte dabei formal zum eigenen Projekt passen.
Ein weiterer Fokus lag auf bewegten Plakaten. Die Lernenden setzten sich mit der Frage auseinander, warum animierte Plakate in der heutigen Zeit eine Rolle spielen. In der Diskussion wurde schnell klar, dass durch soziale Medien wie TikTok die Rezeption von Bildinhalten stark auf Bewegtbilder ausgerichtet ist. Gemeinsam wurde folgende Definition für animierte Plakate erarbeitet: Sie sollen Aufmerksamkeit erregen, durch Interaktivität mehr Informationen vermitteln und zeitgemäß wirken. Als Rechercheplattform diente die Webseite „The Moving Poster“, auf der unterschiedlichste animierte Plakate gesammelt sind. Besonders wurde dabei auf Animationsbewegungen geachtet, die sich mit der Technik des Stop-Motion-Legetricks umsetzen lassen.
Nachdem die grundlegenden Aspekte eines Plakats geklärt waren, folgte eine kurze Wiederholung zur Layoutgestaltung und zu gängigen Kompositionsprinzipien. Die Lernenden hatten sich in vorangegangenen Projekten bereits mit Kompositionen auseinandergesetzt, daher wurden die wichtigsten Prinzipien lediglich rekapituliert. Dazu gehörten die senkrechte, waagrechte und diagonale Aufteilung, die Dreieckskomposition, das Quadrat, die Drittelregel, Symmetrie und Asymmetrie sowie die Rhythmisierung durch wiederkehrende Motive.
Um diese theoretischen Überlegungen praktisch zu vertiefen, folgte eine Übung zur Komposition und Wahrnehmung. Die Lernenden gestalteten jeweils sechs unterschiedliche Kompositionen auf A6-Papier zu den Begriffen: Ordnung, Chaos, leise, schreiend, leicht, schwer, von voll zu leer, Rhythmus, Raster und klar. Sie sollten unterschiedliche Gruppierungen stempeln und dabei das gesamte Format nutzen, wobei Weißraum, Position und Anordnung der Formen eine Rolle spielten. Diese Übung dauerte etwa zehn Minuten. Ziel war es, eine große Sammlung an Wahrnehmungen und gestalterischen Interpretationen zu erhalten, die anschließend im Plenum verglichen wurden. Die einzelnen Arbeiten wurden den jeweiligen Begriffen zugeordnet, betrachtet und im Klassenverband diskutiert. Unterschiede, Überschneidungen und individuelle Wahrnehmungen wurden reflektiert.
Zum Abschluss der Doppelstunde wurde die Agenda 2030 thematisiert. Die Lernenden erhielten eine Einführung in die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele und erörterten in der Gruppe, welche Ziele sie aktuell besonders beschäftigten. Dabei wurde auch der Bezug zu den damaligen Abstimmungen und Wahlen in der Schweiz hergestellt. Schnell wurde deutlich, dass einige Ziele einen unmittelbaren Bezug zum eigenen Alltag hatten, während andere eher auf einer globalen Ebene angesiedelt waren. Ebenso wurde klar, dass jedes Land, jeder Kanton oder Bundesland sowie jede Stadt oder Gemeinde diese Ziele individuell konkretisieren und umsetzen muss.
Für das Projekt bedeutete dies, dass die Lernenden sich frei für ein Thema entscheiden konnten – sei es ein Ziel, das sie persönlich im Alltag beschäftigte, oder ein global relevantes Anliegen. Nach diesem Input hatten sie Zeit, sich vertiefend mit den 17 Zielen auseinanderzusetzen und erste Favoriten in ihrem Skizzenheft zu notieren. Als Hausaufgabe wurde ihnen aufgegeben, sich bis zur nächsten Stunde für ein bis zwei Themen zu entscheiden, mit denen sie sich weiter beschäftigen wollten.
In der zweiten Doppelstunde lag der Fokus auf der gestalterischen Technik des Papercuts und dem bewussten Einsatz von Farbkontrasten. Zudem sollten erste Ideen für die Plakatgestaltung gesammelt werden.
Der Einstieg erfolgte durch eine spielerische Übung, die an das Prinzip von Montagsmaler angelehnt war – jedoch mit Schere und Papier statt mit Stift. In Gruppen von drei bis vier Personen zogen die Lernenden abwechselnd Begriffe und schnitten diese direkt aus weißem Papier aus, anstatt sie zu zeichnen. Währenddessen versuchten die anderen Gruppenmitglieder zu erraten, um welches Motiv es sich handelte. Diese Übung diente dazu, die Lernenden zu ermutigen, sich auf die wesentlichen Formen eines Motivs zu konzentrieren, ohne vorher eine präzise Vorlage zeichnen zu müssen. Die Begriffe wurden so gewählt, dass sie thematisch mit den 17 Zielen der Agenda 2030 in Verbindung standen und gleichzeitig klare, gut erkennbare Formen aufwiesen – beispielsweise Essen, Fisch oder Baum.
Aufbauend auf diese Übung folgte ein theoretischer Input zur Technik des Papercuts. Gemeinsam wurden die charakteristischen Merkmale dieser Gestaltungsform erarbeitet: Die Motive werden oft stark reduziert oder abstrahiert und aus farbigem Papier ausgeschnitten. Dabei ist es wichtig, klare Formen zu verwenden, da auf Textur und Oberflächenbearbeitung weitgehend verzichtet wird. Als Anschauungsmaterial dienten Werke von Anna Sommer und Henri Matisse, die beispielhaft für diese Technik stehen.
Im nächsten Schritt wurde das Thema Farbkontraste behandelt. Anhand einer Präsentation mit verschiedenen Plakaten erarbeiteten die Lernenden die Farbkontraste nach Johannes Itten. Um dieses Wissen zu vertiefen und nachhaltig festzuhalten, fertigten sie einen Hefteintrag im Skizzenheft an. Dazu klebten sie für jeden Kontrast zwei bis drei farbige Papierschnipsel in ihr Heft und beschrifteten diese entsprechend. Bereits an dieser Stelle hatten sie die Möglichkeit, Farbkontraste auszuwählen, die zu ihrem gewählten Plakat-Thema passten.
Mit diesem theoretischen und praktischen Wissen waren die Lernenden nun gut vorbereitet, um in den nächsten Stunden ihre eigene Bildfindung für das Plakatprojekt zu starten.
Das Ziel dieser Doppelstunde war es, aktiv ins Projekt einzusteigen, eine passende Farbkombination zu finden und offene Fragen zu klären.
Bepackt mit vielen Informationen aus den letzten beiden Stunden starteten wir nun definitiv ins Projekt, indem wir den Projektauftrag und die -kriterien erneut wiederholten.
Aufgaben:
- Hefteintrag zu den Farbkontrasten fertigstellen
- Visuelle und inhaltliche Recherche zum gewählten Ziel
- Entscheidung für Farbkombination und -kontrast: maximal drei Farben + Textfarbe
- Erste Skizzen und Textideen direkt auf ein A3-Skizzenpapier
Die Lernenden konnten die Reihenfolge der Aufgaben individuell bestimmen. Zur Vertiefung standen ihnen ausgewählte Seiten aus dem Buch „Schneiden, Kleben, Collagieren“ von Hollie Chastain zur Verfügung.
In der ersten Stunde dieser Doppelstunde standen das Einholen und Geben von Feedback im Fokus. Zu Beginn der Stunde wurde eine kollegiale Feedbackrunde durchgeführt, um die Lernenden wieder in das Projekt einzuführen und ihre Ideen weiter zu konkretisieren. Die Lernenden setzten sich zu dritt in Gruppen zusammen, wobei jeweils ein Sprecher und zwei Berater zuständig waren. Der Sprecher erzählte in maximal zwei Minuten von seiner Idee, wobei er sich mit dem Rücken zu den Beratern stellte. Die Berater versuchten währenddessen, die geschilderte Idee visuell festzuhalten, indem sie die Motive, die ihnen in den Sinn kamen, skizzierten – das Ergebnis musste nicht schön, sondern lediglich verständlich sein. Dabei konnten sie auch Fragen stellen, um die Idee weiter zu präzisieren.
Nach dieser Feedbackrunde wurde der Fokus auf die Schriftgestaltung gelegt. In einem kurzen Input betrachteten die Lernenden verschiedene Plakate, um sich mit der Positionierung der Schrift auseinanderzusetzen. Ziel war es, drei unterschiedliche Optionen für die Schriftplatzierung zu entwickeln und zu klären, ob sie eine von Hand vorgezeichnete und ausgeschnittene Schrift oder eine digitale Schrift verwenden wollten. Nachdem diese grundlegenden Entscheidungen getroffen wurden, blieb den Lernenden ausreichend Zeit, um die Bildelemente auszuschneiden und die ersten Schritte in der Umsetzung des Plakats zu gehen.
In der fünften Doppelstunde wurde intensiv an der finalen Umsetzung des Plakats gearbeitet, wobei der Fokus nun auf der Animation lag. Zunächst hatten die Lernenden genügend Zeit, um ihre Plakate fertig zuzuschneiden und die letzten Bildelemente vorzubereiten. Parallel dazu wurde eine erste Einführung in die Animation gegeben. Die Lernenden sammelten gemeinsam unterschiedliche Bewegungsmuster wie geschmeidig, fließend, ruckartig, zackig, sprunghaft, schwebend und viele weitere. Anschließend überlegten sie, wie sie diese Bewegungen auf einzelne Elemente ihres Plakats übertragen könnten, um die Animationsideen umzusetzen. Dabei wurden Begriffe wie „verschwinden“, „aufploppen“, „rotieren“, „vergrößern“, „springend“ und viele andere verwendet, um die Gestaltung von Bewegungsabläufen zu beschreiben.
Ziel der Stunde war es, die Animationen im Kopf zu planen und bereits erste Schritte in der Umsetzung zu machen. Die Lernenden sollten einen Animationsablauf entwerfen und diesen notieren. Möglicherweise mussten sie zusätzliche Elemente zuschneiden, etwa für einen Farbwechsel, um ihre Animationsideen vollständig umzusetzen. Bis zum Ende der Stunde waren die Lernenden aufgefordert, alle Bildkomponenten für ihre Animation auszuschneiden und vorzubereiten. Als Hausaufgabe wurde den Lernenden der Download der Stop-Motion-App „Stop Motion Studio“ empfohlen, um in der nächsten Stunde direkt loslegen zu können.
Die sechste Doppelstunde stand ganz im Zeichen der praktischen Umsetzung der Animation. Ziel war es, die geplanten Animationen mithilfe der Stop-Motion-Technik zu erstellen. Zu Beginn der Stunde erhielten die Lernenden eine kurze Einführung in die App „Stop Motion Studio“, die eine einfache Benutzeroberfläche bietet und den Lernenden somit einen schnellen Einstieg ermöglichte.
Für die Stop-Motion-Aufnahmen wurde ein Setup aufgebaut, bei dem das Handy entweder an einem Stativ, einem Bücherstapel, einer Stuhlkante oder einer Tischkante fixiert wurde. Das Plakat selbst wurde auf einer stabilen Fläche (Tisch oder Boden) mit Klebeband fixiert, um sicherzustellen, dass es nicht verrutschte. Für eine gleichmäßige Beleuchtung wurde darauf geachtet, dass weder das Handy noch der Fotograf Schatten auf das Bild warfen. Zudem musste das gesamte Plakat im Bildausschnitt zu sehen sein, wobei der Rand später noch beschnitten werden konnte.
Im ersten Schritt legten die Lernenden ihre Cut-Outs aus und überlegten sich einen spannenden Ablauf, der als Loop funktionieren sollte. Sie übten verschiedene Bewegungen wie Wackeln, Hüpfen, Auftauchen und Verblassen und notierten diese Bewegungen in einem Storyboard, um den Ablauf der Animation festzulegen. Anschließend richteten sie ihren Arbeitsplatz so ein, dass eine konstante Lichtverhältnissituation gegeben war und der gesamte Bildausschnitt sichtbar war. Nach der Einrichtung begannen die Lernenden, mit der Kamera das Ausgangsbild des Plakats zu fotografieren.
Im nächsten Schritt setzten die Lernenden nach und nach neue Elemente ins Bild und machten bei jeder Veränderung der Anordnung ein Foto. Dabei mussten sie darauf achten, dass die unbewegten Elemente statisch blieben und dass der Bildausschnitt immer derselbe war. Die Verschiebungen der Elemente waren bewusst subtil und in kleinen Schritten gehalten, damit der Bewegungsablauf fließend wirkte. Die Lernenden machten insgesamt zwischen 80 und 200 Fotos und exportierten den fertigen Stop-Motion-Film in ihre Kamera-Galerie.
Ein wichtiger Tipp war, die Kamera während der gesamten Animation nicht zu bewegen, um Verwacklungen zu vermeiden. Ebenso sollten die Lernenden darauf achten, dass die Beleuchtung während der gesamten Aufnahme konstant blieb. Die Änderungen der Positionen sollten klein gehalten werden, damit die Bewegung am Ende runder und flüssiger wirkte. Für eine bessere Kontrolle konnten die Lernenden den Transparenzregler der App verwenden, um die Abweichungen zwischen den Bildern besser zu erkennen und ihre Animation zu optimieren.
Hilfreich war an dieser Stelle auch das Unterrichtsvorhaben „Move it!“.
Form
Technik
Eigenständigkeit & Originalität
Vertiefung & Inspiration
Agenda 2030
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Buchempfehlung: Chastain, Hollie (2018). Schneiden, kleben, collagieren : so entstehen kunstvolle Collagen aus Papier. Haupt Verlag.
Über die Autorin
Noé
Noé unterrichtet Kunst und Gestaltung an einer Kantonsschule in der Schweiz (Sek II, Gymnasialstufe). In meinem Unterricht geht es um forschendes Experimentieren – zwischen analogen und digitalen Medien, zwischen individueller Auseinandersetzung und kollaborativen Prozessen. Lernen durch Erfahrung, durch die Sinne und im Dialog mit der Welt. Gesellschaftliche Themen, politische Fragestellungen und kunstgeschichtliche Bezüge spielen dabei genauso eine Rolle.
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